Nicht Schreiben

Denn wozu schreiben? Überhaupt. Und wäre es nicht viel interessanter zu schweigen? Von selbst. Nichts mehr zu sagen. Was würde dann passieren? Es würde nichts wesentliches passieren.

Wenn wir schweigen, wobei ich nicht nur das Nicht-Sprechen sondern auch das Nicht-Schreiben mit beziehe, dann passiert zunächst nichts. Unsere Gedanken fliessen vor uns hin, wir teilen diese mit anderen nicht. Schweigen wir länger, kann es sehr wohl Auswirkungen auf uns haben. Es hat aber keine weiteren Auswirkungen auf das Publikum. Es wird uns vergessen und eines Tages nicht mehr wahr nehmen. Und unser Schweigen wird im allgemeinen Gewirr der Stimmen, im täglichen Übermaß an Informationen, an Bildern und Ideen unter gehen. Dann wird es ganz in Vergessenheit geraten. Und es wird immer noch nichts passieren.

Deswegen ist das Schweigen an sich keine Lösung. Denn es ist nicht die Leere, die es hätte bieten können. Dafür ist es zu leise. Doch es gibt einen Ausweg. Er besteht darin, im Redefluss Pausen anzulegen. Vielleicht auch das, was Han “das Zögern” nennt, das uns bei unseren täglichen Aktivitäten vom Computer unterscheidet. Eine Pause, die dann auch länger sein darf. Die aber als solche erkennbar ist. Kommt es Euch nicht auch bekannt vor? Die Pause, die man macht, wenn man überlegt, was man als nächstes tun möchte.

Es gibt noch ein anderes Schweigen. Es ist das Schweigen, das die Gedanken anderer hinein lassen soll. Das Schweigen, das bewusst als Redepause genutzt wird um dem Gegenüber Gelegenheit zu geben über das Gesagte nachzudenken. Die Pause ist dann sehr wohl leer, sie ist als Ort gedacht, die Gedanken kommen lässt, als Ort, das gefüllt werden soll und will, als Raum für Begegnung. Als Leere. Nicht als Vakuum des ewigen Schweigens.

Ein drittes ist vielleicht das verlegene Schweigen. Wenn einer nicht so viel zu erzählen hat. Dann schweigt er lieber.

Ihr habt bestimmt mitbekommen, dass in der letzten Zeit weniger Artikel von uns erschienen. Die Pause füllten wir mit Ankündigungen und Terminen. Jetzt möchten wir das Schweigen wieder brechen. Bestimmt auch um wieder gehört zu werden und dann mal wieder schweigen.

 

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