Über die Betrachtung. Die Natur. Und über eine Ausstellung

Und über die Differenz. Und vielleicht auch über den Zufall.

Denn da gibt es einen. Ich würde vielleicht nicht so weit gehen, wie einst Daisetz Teitaro Suzuki in seinem Aufsatz Über den Zen – Buddhismus gegangen ist und den Vergleich zwischen Ost und West suchen. Denn mittlerweile wissen wir, dass auch die Quiche nicht sehr zimperlich mit der Natur umgegangen sind. Doch vielleicht geht es gar nicht darum. Es geht viel mehr darum, was wir mit dem zufällig angetroffenen so anstellen. Und wo denn der Unterschied liegt. Und weshalb gerade diese Ausstellung davon berichtet.

Suzuki beschreibt Bashō, der zufällig eine Nazuna am Wegesrand sieht, eine unscheinbare, gewöhnliche Pflanze. Der Dichter bleibt stehen und betrachtet sie. Die Betrachtung aber macht ihn eins mit der Blume. Beim Zen geht darum, eins mit der Natur zu sein, die Blume zu sein. Das klingt auf den ersten Blick sehr esoterisch. Wenn ich die phänomenologische Beschreibung hierzu nutzen sollte, würde ich sagen, es geht um die zweite Bewusstseinsstufe, um die Erweiterung unseres Erfahrungshorizonts. Darum, sich zu erinnern, dass auch wir Natur sind, nicht durch den Ozean aus Vernunft, Ideen und Gedanken getrennt von ihr. Dass wir Instinkte haben. Wie eine Nazuna.

Und der andere Teil? Nun, Suzuki beschreibt ein Gedicht Tennysons, der die Blume sieht, sie dann aus dem Mauerwerk mitsamt der Wurzeln rausreisst um sie anzuschauen.

Und hier liegt der Unterschied.

Und die Ausstellung? Sie erinnert mich an die Betrachtung Bashōs. Rolf Naedler zeigt uns zufällig angetroffene Pflanzen, Tiere und auch Käfer. Setzt sie geschickt in einen Spannungsfeld. Setzt sie auf einen Hintergrund, der mal humorvoll ist (das Lachen ist doch die beste Antwort auf einen Koan, oder?) mal ironisch oder neutral. Und der Betrachter? Der Betrachter betrachtet das betrachtete wie Bashō. Ohne die Blume rausreissen zu wollen. Ohne die große Grenze aus Vernunft. Inmitten der Bilder. Und manchmal denkt er eben an die Differenz in der Betrachtung. Das zufällig betrachtete ins Bild zu setzen. Darum geht es bei Bashō. Das erlebte ich bei der Ausstellung. Geht hin, sie dauert noch bis zum 01.12.2019. Im Künstlerhaus Bergedorf (externer Link).

Kana ruft am Ende Bashō in seinem Haiku. Und es ist nicht übersetzbar. „Kana“ rief ich aus als ich die Ausstellung verließ.

Kana!

Termine, termin.., termi…

Im Passage Kino Hamburg findet ab dem 13.11. – 15.11. das Kinofest des koreanischen Films statt. Insgesamt werden vier Filme gezeigt. Hier der Link zum Kino (Achtung, externer Link). Trotz intensiver Recherche haben wir eine gesonderte Seite des Festes nicht finden können.

Am 16.11.19 findet ab 17.00 im Künstlerhaus Bergedorf (ebenfalls externer Link) die Vernissage von Rolf Naedler statt. Würden wir die Bilder hier beschreiben, würden wir den möglichen Zuschauer in eine gewisse Richtung führen. Das gesehene wird dann stets mit dem geschriebenen verglichen. Da die vorherige Beschreibung stets eine Erwartung auslöst. Nur ein Wort: würde die Ausstellung nicht interessant genug, würden wir diese nicht erwähnen.

Viel Spaß

About an exhibition. And Latour. And Cassirer. And about the world.

We misuse our idea of time. Says Bruno Latour. We, the modern people. Using it as a line, ancient times appears like… ancient. Very far from now. In the past. But the past has influence on the present. Even the ancient one. I saw it at an exhibition.

I can not remember where, but I’m sure, MoMA in NYC made an exhibition, where that showed artworks from one year. In our linear idea for example, pop art appears like it came after the abstract period. After the school of Northern Atlantic. But it didn’t. Artists of both directions worked at the same, yeah, time. There were exhibitions with pop art as well as abstract art at same time. But for us it appears quite different. Due to our idea of time.

But how about different countries? We know about the influence of Japanese art at the beginning of the 20. Century. But for us now aborigine art appears not like modern art. Of course, we have some exhibitions. But it’s more like a kind of ethnology than art. It’s kind of “Worldart”. Even it’ll be made today. So it’s modern, not only in terms of “now”.

But how about anxiety? Centre Pompidou made an (attention, external link) exhibition and I asked myself, what was it about. About the influence of ancient art on modern (in terms of modernity) art. I visited it with a friend.

And what we can see there? Ancient art and modern art in the same room. Side by side. And now the question of time. Latour said, we should use a spiral instead. Ancient times appears not so far then. Ant the idea of anxiety will die. And maybe the exhibition show both. Ideas of time. Without willing it. 

And Cassirer? Nothing. I didn’t read him now. I put it in, only to make you read the text. It looks more anthropological.

Scattered Night

Kann ein Film still sein? Es kann stumm sein. Wenn es ein stummer Film ist. Es gibt aber Filme, die durch die Stille Darstellung den Lärm des Geschehens noch mehr hervorheben. Tōkyō monogatari war so ein Film. Ich möchte Scattered Night nicht daneben stellen. Ich möchte lediglich auf ein Phänomen hinweisen. Scattered Night ist ein Favorit des Filmfest Hamburg 2019 (externer Link). Vielleicht noch zu sehen. Bestimmt empfehlenswert. Der Stille wegen. Und des Lärms.

Termine, Termine

Vielleicht liegt es an dem wunderschönen Monat. Mai. Oder einfach daran, dass Veranstaltungen statt finden, die uns interessieren. Oder an beidem.

Am 30.05. beginnt das Blurred Edges – Festival für aktuelle Musik (hier ein externer Link zu den Details: blurrededges.de).

Wenn wir Zeit finden, gehen wir hin. Sonst hoffen wir, dass einer von unseren Lesern hin geht und uns davon erzählt.

Japanisches Filmfest

Auch dieses Jahr findet vom 22.05.19 – 26. 05. 19 das japanische Filmfest Hamburg statt. Wir wissen noch nicht, ob und zu welchen Filmen wir gehen. Und ob unser ganzes Team auf ein Mal hin geht oder ob wir uns getrennt Filme anschauen.

Geht Ihr hin?

Hier der externe Link dazu https://jffh.de (externer Link)

Kunst. Und Musik. Und eine Ausstellung.

Oder lieber doch nicht. Ich könnte jetzt über das Bild oben schreiben. Oder darüber, dass wir den Frühling haben und dass es der Frühling ist, der uns an die Vergänglichkeit erinnert. Denn bei Nanami geht es gerade darum. Um eine nachdenkliche Betrachtung der Blätter, die runter fallen. Darum, etwas kurzlebiges, etwas zu feiern, das vergeht. Etwas zu meditieren das vergeht. Sich etwas hinzugeben, das vergeht. Etwas sterbendem. Und darüber werde ich kommende Woche schreiben.

Im Grunde mag ich nicht über Ausstellungen schreiben. Das beste Bild der Ausstellung bekommt der Besucher, wenn er ganz unvoreingenommen rein geht. So ist im Grunde auch das Konzept dieser Seite aufgebaut.

Diesmal mache ich aber eine Ausnahme.

Wir waren in der Ausstellung. Und haben uns alle Bilder genau angeschaut. Einige von uns haben uns die Sache zwei Mal angeschaut. Wir wollten nicht voreingenommen sein. Oder auch ausschließen, dass wir etwas übersehen, nicht verstanden oder einfach uns schlecht gefühlt haben. Denn Ausstellungen sind etwas sehr emotionales. Etwas, das nicht nur meinen Verstand ansprechen soll. Sondern auch meine Emotionen. Wie die fallenden Blätter der Kirschblüte, deren Schönheit ich nicht nur betrachte sondern auch spüren soll.

Wir haben nichts gespürt. Nicht mal einen Anflug von Emotionen. Höchstens einen Anflug langer Weile. Das ist aber auch alles. Wie unfertig, umausgesagt wirkte die Ausstellung auf uns. Als wenn ich etwas gesagt hätte, vielleicht sogar eine sehr revolutionäre Aussage träfe, die der Pop irgendwie hat treffen wollen, diese aber dann sich in ein langweiliges Gelaber verwandelt hat, das, wenn es denn revolutionär wurde, es vom Leser nicht so aufgefasst und auch nicht so wahrgenommen wurde.

Wir haben nichts gespürt. Es war viel mehr eine Ansammlung mehr aber mehrheitlich weniger interessanter Objekte, die mehr aber mehrheitlich weniger mit Pop zu tun hatten. Es war als wenn wir zum Kirschblütenfest in einen Apfelbaumwald eingeladen worden wären. Und die Äpfel wären alle schon reif. Und wir hätten vielleicht eine oder zwei Blüten gesehen. Und, da wir uns darauf so sehr gefreut hätten, wir jetzt sehr enttäuscht worden wären. Und nach einiger Zeit hätten wir die Veranstaltung wohl vergessen.

Wir haben nichts gespürt. Zumindest nicht viel. Eher den Japanern bei Dicks „Orakel vom Berge“ gleich, die in einem Stück Metall nach dem Mu suchen, nach dem Inneren und nichts finden.

Ich bin gespannt, was Ihr spüren werdet, wenn Ihr in die Ausstellung hin geht. Hier: https://www.deichtorhallen.de/ausstellung/hyper (externer Link)

Verpasste Festivals

Über SXSW haben wir hier stolz berichtet. Denn die Vergangenheit war mal die Zukunft, die im Nachgang nicht mehr so nett aussieht, wenn wir in der Gegenwart es verpassen dran teilzunehmen.

Bis gestern fand auf Kampnagel das NOISEEXISTANCE III Festival statt. Da es im Untertitel „Das Ende Der Geschichte“ heißt, ergibt es für uns zumindest drei Szenarien:

Wir fallen in eine Zeitschleife und werden entweder stets am 31.03. uns an das Festival stets erinnern. Und daran, dass wir nicht haben teilnehmen können.

Wir fallen in eine Zeitschleife und werden am 29.03. hin gehen können und nichts ist passiert. Die einzige Sache ist dann natürlich das Verbringen der Zeit mit Noise, das wollen wir aber an dieser Stelle nicht weiter ausführen.

Wir gehen weiter mit der Zeit und sehen dem Ende der Welt entgegen.

Falls nichts passiert und wir es nicht vergessen, kommen die Zenvampires 2020 zum Festival und berichten live.

In der Zwischenzeit genießt den Frühling.

Emptiness is easy.

Über Musik. Die Leere. Und den Tod.

Erstens die Musik

Die Musik sei immer leerer geworden, habe dann gelesen. Instrumente immer mehr zu einer Andeutung, Töne ganz leise. Es stimmt. Zumindest bei Spirit of Eden. Und dann bei Laughing Stock. Und auch dann.

Ich musste spontan an das Mu denken. An die Idee der Leere im Kunststück. Und an Japaner, die in Dicks „The Man in the High Castle“ nach dem Mu in dem Kunstwerk suchten. Es nicht fanden. Und über Han. Und seine Idee der Leere. Denn in der Leere, sagt er (ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ich bereits darüber geschrieben habe, über die Leere meine ich und auch darüber, was Han darüber dachte, doch um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, wo und was, entschuldigt bitte also, wenn ich diesmal keinen Link setze), nur dort gebe es Platz, damit sich Dinge entfalten können. Betrachten wir fernöstliche Bilder, so seien diese eben leer, damit der Fluß zum Berg werden kann und der Berg zur Wolke und die Wolke dann.

Wie ist es mit der Musik? Der speziellen? Ist sie leer? Entleeret. Vielleicht auch entleerend, ich weiß es nicht. Ich höre aber, dass sie Platz bietet. Für eigene Gedanken, für Ideen, Träume. Und wenn ich die Augen schließe, kann ich in der Leere in „A New Jerusalem“ andere Töne hören. Kann sich die Ruhe ausbreiten. Können Töne zum Berg werden, der Berg zu Gedanken und die Gedanken dann zur Musik. Und vor „Colour of Spring“ ist die Musik weg. Der Anfang bereits eine Leere.

Zweitens die Leere

Die Leere. Ich habe Mal gelesen, er habe zwei mal Leere hinterlassen. Das erste Mal als er beschloß, sich aus dem Musikgeschäft zu verabschieden.

Ich kann mich nicht mehr erinnern, wo es war. Doch ich habe irgendwo über den Unterschied gelesen, bei dem Bau der sakralen Bauwerke in Europa und in Japan (klar, ich könnte jetzt auch schreiben: Im Westen und Fernost, doch ich schreib es nicht). Die Japaner bauen ihre sakralen Gebäude, Schreine und Tempel, in abgelegenen Orten. Der berühmte Antai-Ji Tempel liegt nur schwer zugänglich in den Bergen. Versteckt im Wald. Angeblich verlaufen sich die Besucher oft, da GPS dort nicht funktioniert.

Könnt Ihr Euch den Kölner Dom vorstellen? Versteckt im Teutoburger Wald? Oder irgendwo im Harz. Unzugänglich? Ja, unsichtbar? Die Europäer haben die Angewohnheit, Sakralbauten mitten in den Städten zu bauen. Auf der anderen Seite haben sie das Gefühl entwickelt, dass wenn jemand aus der Wahrnehmung verschwindet, er ganz weg sei, nicht mehr existent. Leer.

Drittens der Tod

Der jeden Tag kommt. Wie Abt Muho, Abt des Antai-Ji Klosters sagt. Der bereits am Tag der Geburt da ist, weil er zum Leben gehört wie das Atmen.

Und was kommt danach? Danach sind wir tot. In der Leere. Und wenn Ihr die Leere positiv denkt, so kann dort Musik wachsen, über gehen, zu Ideen werden, Gedanken, Träumen, zum Berg.

Die Alben gibt es überall. Außer Laughing Stock.

©M.Kuliniec