Winter is coming

Winter is coming

Es soll hier keine politische Analyse werden. Noch soll es eine anthropologische Untersuchung werden, auch wenn es interessant erscheinen würde. Es sollen schlicht einige Gedanken werden. 

1. Die Zukunft

Die Zukunft ist etwas, das wir phänomenologisch nicht erfassen können. Wir wissen schlicht nicht, was hinter dem Erkenntnishorizont, der durch das, was einige von uns als Zeit bezeichnen, beschrieben wird, passiert. Um diese Lücke zu füllen, versuchen wir normalerweise auf unsere Erfahrungen zurück zu greifen. Das ist ein normaler Vorgang, der im unseren Gehirn aber auch in unserem Denken, in unserer Ontologie codiert ist. Wir vergleichen dabei ähnliche Situationen aus der Vergangenheit und versuchen, Schlüssel für die Zukunft zu ziehen. Doch manche Situationen sind ziemlich neu für uns. Oder wir haben keine entsprechenden Erfahrungen um einen Vergleich ziehen zu können. 

In beiden Fällen, da wir nach wie vor die Zukunft nicht vorhersagen können, entstehen Annahmen. Zumal in der westlichen Kultur die Auseinandersetzung mit der Zukunft einen sehr großen Raum einnimmt. Das Verweilen im „hier und jetzt“ wird eher in dem Raum der Esoterik geschoben. Wir denken sogar an das Leben nach dem Tod, das, von einem persönlichen Standpunkt keine Zukunft beschreibt. 

2. Die Angst

Bei einigen (oder gar bei ganzen Gesellschaften) kann die Unmöglichkeit, die Zukunft vorhersagen zu können, die Unmöglichkeit, ganz genau planen zu können, eben Angst auslösen. Dies ist auch ganz natürlich. Manche Menschen wollen wissen, was passieren wird. Sie greifen auf ihre Erfahrungen zurück, die sie aber nicht haben und fühlen sich unwohl. Dann suchen sie nach anderen Quellen, die kulturell konditioniert sind. Diese können Angst erzeugen. 

Auch lässt es sich sehr einfach, mit Emotionen Menschen regieren. Hierüber hat Gustave LeBon in seinem Aufsatz Psychologie des foules geschrieben. Angst kann daher auch von der Regierung erzeugt werden, um dann die Bevölkerung einfacher… regieren zu können. Sie einfacher kontrollieren zu können. Denn Bevölkerung, die Angst hat, verfällt mitunter in Starre.

3. Die Natur

Unser Verhältnis zu dem, was wir “Natur” nennen ist äusserst… befremdlich. In seinem Aufsatz The Western Illusion of Human Nature bemerkte Marshall Sahlins, dass der westlich geprägte Kulturkreis die Natur als etwas von ihm abgetrenntes ansieht. Als etwas anderes als der Mensch selbst. Und selbst das, was wir “Natur” nennen, bezeichnet in unserem Verständnis bestenfalls die Kulturlandschaft. Also die kultivierte Natur. 

Diesen Zustand verdanken wir zu Einem Plato. Und natürlich Descartes. Beide sahen unsere “Seele” (oder was sie dafür hielten” als strickt abgetrennt von unseren Körpern. Der Gedanke weitete sich aus. Später wurde die Natur als etwas angesehen, das der Mensch “erobern” könne. Nutzbar machen könne. Für sich und seine Ziele. 

Der Gedanke, wir können die Natur (oder eben einen Winter) nicht regulieren, nicht “erobern”, wir sind jetzt dem Wetter ausgeliefert, erscheint uns daher als tragisch. 

(Ironisch ist an dieser Stelle die Tatsache, dass der Kapitalismus die Natur zerstört hat und dass die Erde wohl bald für den Menschen unbewohnbar sein wird, unabhängig dessen ob manche Wissenschaftler glauben, Windräder würden die Erde trocken machen oder heiße Sommer gab es schon früher. )

4. Zeug

Das Zeug ist unsichtbar. Wir bemerken es erst, wenn es kaputt geht, wenn wir es nicht mehr nutzen können. So jedenfalls Martin Heidegger in seiner Zeugtheorie. Der Gedanke Heideggers ist in diesem Zusammenhang ganz aktuell. Die westlichen Gesellschaften haben sich so sehr an die Technologie gewöhnt, daran, günstige Energie zu bekommen, dass dies unsichtbar geworden ist. Ich möchte jetzt nicht darüber diskutieren, ob Gas zum Beispiel im heideggerschen Sinne “Zeug” ist oder nicht. Allerdings denke ich, es wäre das. Mir geht es hier um den Gedanken, den Heidegger hatte. Den Gedanken, dass sich die Menschen an zuhandenes (um bei Heidegger zu bleiben) so sehr gewöhnen, dass sie es erst merken (seine Existenz, sein vorhanden, sein… zuhanden sein), wenn es nicht da ist. Oder wenn etwas die wohlausgedachte Funktionalität stört. 

Und da wir die Existenz nicht merken, haben wir keine Antwort darauf, wenn es fehlt. 

5. Kapitalismus

Jean – Francois Lyotard schrieb in seinem Aufsatz  (ich habe leider keinen Titel, der Aufsatz erschien im Netzwerk der Minderheiten), dass der Kapitalismus die Krise brauche, um sich weiter entwickeln zu können. Es werden Spannungen genutzt, die eine Krise hervorbringen kann. Dabei werden auch Forderungen der Arbeiter nach mehr Lohn, mehr Freizeit, etc. mit dem Hinweis auf die kommende Krise. 

Auch diese Krise wird vom Kapitalismus genutzt. Hierfür ist die Angst sehr nützlich. Und auch die Tatsache, dass Menschen planen wollen. Und alles dafür geben würden, die Zukunft zu kennen.

Der Winter kommt.  

Forward to fight

We are proud to present another essay by Tomasz Kozak on zenvampires. Tomasz Kozak is a theoretician and visual artist combining philosophy, political sciences, and video art. He is an associate professor at the UMCS Institute of Fine Arts in Lublin, Poland. Currently, he works on a book inspired by Mark Fisher’s concept of libertarian communism.

©by Tomasz Kozak

Dead Kennedys once shouted out the Westerner’s hard-core blues. So much hate and so much pity. It’s such a bore; it gets me really sore. Gag with every breath. So I’m looking forward to death!

These days, we suddenly find ourselves in a world that is a far cry from boring. A traditional Chinese curse, ‘May you live in interesting times’, updates exponentially – through every move made by Russian jingoism during the invasion of Ukraine. So most of our societies will bid farewell to boredom in the days to come.

But some of us plan to remain dull. Certain red celebrities attest that by insisting on old songs: demented and daunting.

Take Noam Chomsky. In the 4 February interview for Truthout, he was so preoccupied with a new concert of Great Powers, with tuning into Russian concerns, that he ‘forgot’ of the 2014 Revolution of Dignity in Kyiv. And yet it did happen. It proved Ukraine is not a pawn but an independent and determinate agent. And as for self-determination, it hasalways made the very basis of socialist anti-imperialism. Mr Chomsky should be aware of so fundamental a fact.

There’s also Yannis Varoufakis: an advocate of Ukrainian neutrality. On his and DiEM25 part, he proves reluctant to mind a critical factor. Putinist Russia can hardly be filed under ‘peace- loving’ or ‘agreement-honouring’. As some stillremember, the 1994 Budapest Memorandum, signed by the Russian Federation, guaranteed Ukraine territorial integrity in return for giving up nuclear weapons. In 2014, Putin killed the deal by the annexation of Crimea. Had the Ukrainians kept their nukes, would the aggression have been possible? Not bothered by the question, Varoufakisans are still happy to solicit the unilateral demilitarization. It’s not to be the Russian one, clearly.

©by Tomasz Kozak

These pronouncements are compassionate to the far-right regime’s complaints (e.g., the alleged NATO threat) andtacitly friendly to the ‘sphere of influence’ concept. Since its meaning cannot be decoupled from the imperialist tenets, those left-wingers who stick to it find themselves in an idiotic (pardon my French, aporetic) position. They will become inadvertent sidekicks of an aggressor.

Infuriating?

As a leftist, I was infuriated. Choking with Chomsky’s smug dictums and Varoufakis’ counselling, I waited for someoneto fire soldierly expletives upon them. But then the spirits of the Classics stepped in and advised: A fistful of reminders will do.

So here you are. Socialism cannot reduce itself to non-violent idealism. The Left at its peak was bellicose and hencecapable of revolution. One could scarcely see Marx as a pacifist. According to him, pacifism contributed greatly to bourgeois ideology with the belief that too many devastating conflicts would lower stock prices. ‘War depresses thequotations of the three and four per cents!’ Hence ‘Peace everywhere and always!’

Sadly, ‘peace’ becomes a meaningless vocable when facilitated through dealings with a barbarian who revels intrampling on agreements. Marx and Engels then make themselves clear: ‘buttermilk pacifism’ (stale, soured, scared) ishardly a template for communists to follow. ‘No doubt, peace is the ultimate necessity of civilization; but what is peace with Nicholas of Russia?’ Since the tsar operates as a ‘disemboweller of whole nations’, suspension of hostilities between ‘mankind’ and ‘this madman’ would be cowardice and crime (The Manifesto of M. De Lamartine) . Communism must engage in revolutionary actions that entail, inter alia, military intervention against the fiend (GermanForeign Policy and the Latest Events in Prague).

©by Tomasz Kozak

One thus could scarcely imagine the two men being empathetic Zar-Versteher. The same goes for the idea of empathizing with Putin. He is the fascist who not only employs manifest neo- Nazis (recall SS-runes-tattooed Wagner mercenaries marking Tripoli with swastikas) but also fancies the overall destruction of everything socialists care for:human and animal rights, self- determination, national liberation, social equality, sustainable development.

The young Marx fashioned an evergreen appraisal of such a danger. Where the playing-with- fire oligarchy assumesunlimited power – there must emerge a regime ‘wherein wealth derived from gambling naturally seeks its satisfaction, where pleasure becomes debauch, where money, filth and blood commingle’ (The Class Struggles in France, 1848–1850).

Putinist kleptocracy reboots this paradigm. It gambles with the same lusts, seeks the same pleasures. Only that it grows to be a global monster on genocidal steroids. So, instead of placating the full-frontal beast, the Left should grow belligerent.

That said, I share the common fear of nuclear war. We face a loose cannon armed with the button. Therefore, it’simpossible to simply dust off an old Marxian new-year plan: ‘The table of contents for 1849 reads … world war.’ (The Revolutionary Movement) It had better not happen in 2022. On the other hand, socialists cannot just brush red bellicosityoff. It would be naïve to convince Putinism into self- limitation by the power of our peacefulness.

©by Tomasz Kozak

The hard-to-embrace truth is that the endgame of Russian oligarchs can be apocalyptic regardless of Western conciliatoriness. Backing down may not suffice to save the world as we know it. The Left has to get it. Also, no danger posed by transatlantic capitalism will turn out equally substantial in the nearest future. So we need to ally against Putinism with American and European liberals. And even – brace yourselves for the heresy – with NATO.

It isn’t a matter of our boredom-brewed death drive, once ridiculed by Dead Kennedys. Quite the opposite, the survivalof values and material amenities dear to both socialism and liberalism will be at stake. Wanna save your freedoms and luxuries, reform your societies and countries? Care to revive great hopes for your fellow citizens? Well, you must defend them. Sometimes with a pen, keyboard, camera, a painting or book – and sometimes with the MIM-104 Patriot.

Radical reds cannot then regress into a shelter of complacent pacifism. Instead, we need to see that the desired ‘patriotism’ proves progressive. And our satisfactions – egalitarian, just, creative.

Those who crave better life must be forward to fight.

©by Tomasz Kozak

KRIEGSLANDSCHAFTEN

Die ewige Rückkehr

1. Wiederholungen

Das Verständnis der Wiederholung wird von der Art bestimmt, wie wir die Zeit definieren. Hierzu gibt es verschiedene Vorschläge. Ich werde mich an Bruno Latour halten, der in diesem Zusammenhang sagt, unser Verständnis der Zeit sei von einem Glauben an den Fortschritt bestimmt. Da die Zeit nach vorne (oder in eine andere Richtung) fortschreite, glauben wir, mehr Erkenntnis zu erlangen. Dieser Glaube impliziert auch eine Idee, dass etwas überwunden werden könnte. Dass sich Gesellschaften ändern könnten. Bruno Latour (ich habe es hier bereits beschrieben) schlägt daher auch eine andere Sichtweise vor: Die Zeit ist eine Spirale. Vergangene Vorgänge liegen nicht weit weg. Verstehen wir die Zeit auf diese Art, wird uns die Brutalität der Russischen Gesellschaft nicht als eine Wiederholung sondern als etwas dieser Gesellschaft immanentes. Egal auf welchem Ort dieser Gesellschaft die Brutalität statt findet. Im Krieg tragen die Repräsentanten dieser Gesellschaft die Brutalität in das überfallene Land. 

2. Deutschland

Der Schöngeist, so Gilles Deleuze in Différence et Répétition sei wie ein Friedensrichter auf dem Schlachtfeld, der nach Frieden ruft (ich bin mir nicht sicher, ob Deleuze diesen Satz nicht von Nietzsche übernommen hat, seid also nachgiebig mit mir). Der Schöngeist übersieht, dass in manchen Situationen „Frieden“ den Tod bedeutet. Die unausweichliche Auslöschung unserer Zivilisation. Der Schöngeist hingegen steht immer noch da und ruft nach dem Frieden. Oder danach, was er für den Frieden hält. Dabei ist er nicht nur äußerst arrogant (denn der Frieden in seiner Ontologie muss nicht unbedingt dem entsprechen, was wir, die anderen für den Frieden halten). Er ist auch äußerst gefährlich. Nicht nur weil er eine Doppelmoral repräsentiert. Sondern auch deswegen, weil er den Begriff des „Friedens“ gefährdet. Er möchte in Wahrheit keinen Frieden. Er möchte lediglich seine eigenen Interessen durchgesetzt haben. 

Die grosse Finsternis

3. Gott

Gibt es ihn? Diese Frage wurde bereits auf die eine oder andere Art und Weise gestellt. Wobei es hier nicht unbedingt um Seine Existenz oder Nichtexistenz geht. Es gibt da wichtigere Fragen. Es gibt da Entwicklungen. Diese Frage wurde dann auch von Lyotard zitiert (ich bin mir nicht sicher, ob es auch Derrida war, der sie zitiert hat). Und nicht unbedingt im Kontext Nietzsches, der hier auch seine Rolle spielen darf. Solche Fragen signalisieren uns, dass eine Denkweise, dass eine Ontologie, eine Metaphysik, demoliert, zerstört wurde. Dass das, was sich Menschen gegenseitig erzählen, manchmal, schnell und systematisch durch Geschehnisse schlicht wertlos geworden ist. Keine Angst. Wir sind robust. Wir bauen uns neue Theorien auf. 

4. Der Schatten

Da gibt es Gott. Einen Schatten von Gott. Vakhtang Kebuladze sagt, die Russische Zivilisation sei ein Schatten. Ein schlechtes Abbild. Dieser Schatten liefert uns nicht nur einen Glauben, mit dem wir nichts anfangen können. Es ist viel mehr als der Glaube, was den Schatten repräsentiert.. Und die bloße Menge kann schon Angst machen. Es ist eine ganze Philosophie, eine ganze Denkweise, die, ihres Zentrums beraubt, neu aufgestellt und gegen uns benutzt wird. Es ist so, als eine Philosophie umgekehrt worden wäre und nun als Waffe dient. Der Gegner hat mehrere solche Waffen. Diese soll uns verwirren. ich sage da nur einen Begriff. Postmoderne. Und natürlich können wir jetzt darüber lange diskutieren. Doch es ist lediglich ein Schauplatz. Eines der vielen Orte des Geschehens. Die Schattenpostmoderne. 

In eine Fotofalle getappt

5. Blutrausch

Oder so ähnlich. Auch wenn „Blutrausch“ hier eine kleine Verschiebung darstellt. Das sechste Gebot spricht vom „Morden“. Die Nahuatl haben stets ihre Opfer sehr gut behandelt. Sie wurden Familienmitglieder. Der Blutrausch auf dem Templo Mayor war sehr wohl begrenzt. Sehr wohl beschrieben und diente einem Zweck. Es waren heilige Tätigkeiten, heilige Riten, die Priester in den Blutrausch versetzt haben. Kannibalistische Riten, die im wohlgeformten Strukturalismus von Levi – Strauss beschrieben wurden (einige von ihnen zumindest, ich möchte nicht generalisieren), wurden stets als Teil einer Religion angesehen. Nie ohne Grund begangen. Und manchmal auch ohne Blut. Blutrausch, ohne einen Hintergedanken, ohne irgendeine Idee (vielleicht mit der Schatten einer Idee), sind nicht mal „Mord“. Manchmal sind sie schlimmer als das. 

6. Das Zeichen

Denn davon gibt es eine ganze Menge. Vielleicht zu viele. Doch eines wird uns lange in Erinnerung bleiben. Das Zeichen des Schattens. Ein Zeichen, intelligent eingesetzt, kann eine verwirrt agierende Horde hinter sich versammeln. Zeichen sind so verräterisch, weil ihnen Bedeutungen zugesprochen werden können. Und ein Soldat, so Emile Durkheim (auch wenn ich mit seiner Anthropologie nicht immer übereinstimme), ist bereit zu töten, im Namen eines Zeichens. Verlassen wir den Kontext des Zeichens, verliert er seine Bedeutung, kann eine andere erlangen oder diese verlieren. Die Kunst, mit einem Zeichen umgehen zu können, ist eine hohe. Jemand, der diese stümperhaft kopiert, kann dennoch ihre Kraft bewahren. Und zeugen von der Schwäche der Gesellschaft, wenn sich diese hinter dem stümperhaften Zeichen versammelt. 

7. Die ganze Welt

Denn die wird im Chaos versinken.

The entrance to hell

Verzweigungen

Rhizom ist nicht nur der Titel des Vorworts zu Tausend Plateaus sondern auch eines der Begriffe, die Deleuze und Guattari in ihrem Diskurs nutzen. Ich würde den Begriff nicht diskutieren wollen sondern die Nutzung ausweiten. Ich würde sagen, dass Rhizom, dass die Wurzel, ein sehr gutes, ein sehr praktisches Bild ist, um die Wirklichkeit zu beschreiben. Geschichten der Menschen ähneln oft den Spuren der Wurzeln. Sie verzweigen sich, manchmal aber auch kommen sie zusammen. Um sich dann erneut zu verzweigen und fortzuschreiten. 

Das Bild der Wurzel berichtet uns aber auch von einer anderen Sache. Von der Vielfalt. Davon nämlich, dass Menschen und deren Leben unterschiedlich sind und dass diese Unterschiede eben manchmal zusammenkommen können und manchmal entfernt sind und dennoch Gemeinsamkeiten aufweisen. Auch wenn Begriffe wie „Verschiedenheit“ typisch für die europäische Kultur sind. Diese zu zeigen kann interessant sein. 

Dennoch ist es manchmal schwierig, Geschichten wie einen Rhizom erzählen zu wollen. Intensitäten, Geflechte, Schicksale können so untergehen. Es besteht die Gefahr, dass der Zuschauer diese vielleicht nicht entziffern kann. Diese Gefahr besteht allerdings nicht beim Ukraїner The Movie. Hier zeigt sich eine ganze Gesellschaft wie ein Rhizom. Wie ein Wurzelwerk. Wie eine Ansammlung von Intensitäten. Und von Lebensgeschichten. 

Gemacht um jungen Ukrainern das Land zu zeigen kann uns das Werk jetzt zeigen, welches Land da gerade überfallen wird. Erinnert der Folm gleichzeitig an den Geist Derridas. Den Geist einer friedvollen Welt. Den Geist einer Welt vor dem mörderischen Überfall eines barbarischen Nachbarn. 

Hier (externer Link) kann er angeschaut werden: https://ukrainer.net/ukrayiner-the-movie-de/

EINZÄUNUNGEN. VERMISCHUNGEN

1. Einflüsse

Manchmal wissen wir nicht, welchem Einfluss wir unterliegen. Oder, dass unsere Kultur von anderen beeinflusst worden ist. Manchmal denken Europäer, sie wären nicht beeinflusst worden (deswegen die Illusionen von Leitkulturen und anderen Phantasien). Abgesehen von den offensichtlichen, arabischen, gibt es natürlich den Kolumbianischen Austausch, von dem Albrecht Dürer erfasst aber keinen Schimmer hatte. 

2. Eingrenzungen

Was wir daher sehr oft beobachten können, ist die Tatsache, dass Europäer sich als eingegrenzt ansehen. Ihre eigene Kultur fein säuberlich von den anderen unterschieden. Lediglich Wokeness Diskurse können uns Auskunft darüber geben, dass unsere ach so geliebte Kultur nicht alleine da steht. Dass sie auch von anderen Kulturen beeinflusst wurde. Und dass sie ein Ergebnis ist, ein dynamisches, dieser verschiedenen Einflüsse.

3. Vermischungen

Das Bewusstsein der Eingrenzung funktioniert auch zeitlich. Wir sind überzeugt davon, dass das Jetzt für unsere Kultur wichtig ist. Vielleicht blicken wir auf die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ok. Auf die 60er. Aber selten weiter. 

Wie gut Kultur durch Einflüsse, sowohl die vertikalen, die traditionellen als auch die horizontalen, die aus anderen Kulturen, funktionieren kann, wie gut sie klingt, können wir uns überzeugen, wenn wir nach Kyiv schauen. Von dort kommt die Band ДахаБраха, die verschieden Einflüsse, verschieden Eindrücke vereinigt. Und so zu einer kulturellen Avantgarde wird. 

Doch hört selbst. Ihre Seite führt auch zu einzelnen Tracks (externer Link): https://www.dakhabrakha.com.ua

 

Ghosts and music

1. Ghosts

In the European tradition, there are rathe quite simple explanations for repetitions. On the one hand, we have this prehistorical theory. It means, repetitions are a part of nature (no matter how we are going to define the term nature), they show us comes and goes of seasons. But we cannot imagine repetitions during a fall. On the other hand, Derrida said, repetitions have the power to conjure up ghosts. It´s not magical. When I listen to a tape with someone’s voice, it is like I listen to a ghost. And it doesn’t play a role if he is dead or still alive. Beckett´s Crapp is listening to his own voice after years. He is listening to a ghost. Crapp is a ghost. Evoked by his own voice.

2. Repetitions

But it’s on us to feel the ghost. Probably Hölderlin did it while writing his poems. Maybe one of us does it while reading it. It always depends on us. 

On the other side, there is another description. When we take sociology and Latour, repeats may tell us something about us. But what they will tell us? They will probably tell us a story about our theory of time. We already described it. The European civilization describes time as a line, as a phenomenon, which goes and never comes back. We use repeats as a possibility to compare ourselves with our previous culture. And mostly in order to speak about something like development. Maybe our understanding of time is the reason, why Europeans believe in something like development. A revolution is not a break of time but a point when we look back. 

Im don’t mention structuralism, because this text is not a philosophical essay. Rather an invitation.

3. Anthropology

But there is something more. Viveiros de Castro says, anthropologists describe mostly themselves, not the other culture. When we look at a phenomenon like a repetition, we don´t look at nature. We rather look at ourselves. The question is, what we may see when we look at it? Maybe more than a repetition? Maybe we don´t see the difference between now and earlier? Maybe we can only see the repetition as time? As continuum.

4. Music

When we listen to music by Lubomyr Melnyk, we find repetitions. And while listening to his music, may lose ourselves in the music, in time, in repetitions. And we may see not only time but also ghosts from the past. And maybe also us. Not as a ghost but as humans. And maybe we will find small differences. And will be happy about them.

You can listen to Melnyk here (external Youtube link):
https://youtu.be/W9x8sWQEY_w

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